NINI STADLMANN

Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin

#TAKE CARE

Ich freue mich, über das Förderprogramm „Neustart Kultur“ des Hauptstadkulturfonds ein Stipenium erhalten zu haben. Aufgrund der aktuellen Situation, in der wir Künstler unserem eigentlichen Beruf nur sehr eingeschränkt nachgehen können, habe ich die Möglichkeit bis Juli 2021 Inhalte zu generieren und zu recherchieren, deren Erkenntnisse für neue Musiktheaterstücke genutzt werden können. Mein Thema:

Clärchen´s Lied – Kreatives Potenzial bipolarer Persönlichkeiten

eine recherche von nini stadlmann

„Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt…“ In Goethes „Egmont“ verleiht Clärchen ihrem extrem labilen Gefühlszustand in 23 Worten Ausdruck. Ludwig van Beethoven vertonte das Gedicht.

Für Menschen mit einer bipolaren Störung ist der ständige Wechsel zwischen grandiosem Hochgefühl, euphorischer Selbstüberschätzung und totaler Niedergeschlagenheit eine kaum zu bewältigende Aufgabe; und die leistungsorientierte, sich permanent optimierende Gesellschaft lässt keine offene Auseinandersetzung zu. Dabei verliert sich letztere selbst in absurden Extremen des Schwarz-Weiß Denkens, der Kategorisierung und schließlich der Tabuisierung.

Dass unter Schriftstellern, Autoren, Komponisten und Forschern verstärkt Bipolarität auftritt leuchtet ein, wenn man den Untersuchungen von Kay Redfield Jamison folgt:

In manischen Phasen regen intensive Stimmungsschwankungen einen kreativen Prozess an. Die Betroffenen versuchen durch Künstlerisches Schaffen ihre Ängste zu ersticken. Sie fühlen sich freier als je zuvor und können sich über etablierte Grenzen hinwegsetzen.

Die Recherche widmet sich Bipolaren Künstlern und ihrem Zwiespalt, ihre Werke mit der Öffentlichkeit zu teilen. Die Angst, dabei Gefahr zu laufen, von der Gesellschaft bevormundet und stigmatisiert zu werden liegt nahe. Hier könnten Biographien von Brigitta Schülke und Thomas Gill als Blaupause dienen. Nach der Ausstrahlung ihrer Dokumentation „Immer wieder Achterbahn. Leben zwischen Manie und Depression.“, in der sie offen mit Schülkes Biopolarität umgingen, wurden ihnen zwei ihrer drei Kinder von den Behörden weggenommen.

Durch Kontaktaufnahme zum beispielsweise DGBS e.V. oder der Eleonore Weisgerber Stiftung hoffe ich Interviews mit Betroffenen führen zu können. Seien es Maler, Schriftsteller oder Musiker. Das Zusammentragen ihrer Werke und einer Gegenüberstellung zu Biographien weltberühmter Künstler mit bipolaren Störungen sollen zu einer Bündelung von Material und Ideen beitragen, um eine fiktive Figur zu erschaffen, die sich dem Kampf ihrer Hybris stellt. Aber auch dem Kampf gegen die sensationsgeile Gesellschaft.

Dabei eignen sich das Leben einer Amy Winehouse oder Britney Spears ebenso wie das, eines Leonardo da Vinci oder Ludwig van Beethoven.  Das Klischee vom in Manien und Melancholien zerrissenen Künstler zieht sich durch alle Epochen der Menschheitsgeschichte. Umso tragischer, dass die Gesellschaft des 21.Jahrhunderts statt objektivem Wissen über die Krankheit, lieber das Bild vom „gefährlichen Irren“ aufrecht erhält und sich daran ergötzt.

Auf dieser Seite möchte ich Euch regelmäßig über meine Recherche am Laufenden halten. Ich freue mich über Kommentare, Anregungen und Inspirationen…

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Thema von Anders Norén